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Alt 13-08-2006, 21:54   #1
Benjamin
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Das römische Reich und die USA: Ähnlichkeiten?

Hier eine interessante These, die im Internet bereits in verschiedenen Quellen diskutiert wurde:

Das römische Reich entstand u. a. deswegen und war in seiner Wachstumsphase so erfolgreich, weil
- es sehr zentralisierte Entscheidungsstrukturen und
- eine starke Armee und
- eine gut ausgebaute Logistik
besaß.

Die von den Römern besiegten Völker waren oft
- dezentral organisiert (keine Hauptstadt, etc.)
- hatte demzufolge keine große Armee (unnötig bei den kleineren Scharmützeln zwischen z. B. einzelnen Dörfern oder Stämmen)
- hatte nur eine begrenzt leistungsfähige Logistik für Menschen, Informationen und Güter.

Was die Römer nicht genügend besaßen waren wichtige Rohstoffe (z. B. Metalle, Gold) im eigenen originären Machtgebiet.

Durch die Besiegung - und teilweise Vernichtung - der Kelten gewannen sie z. B: den Zugriff auf rund 400 Goldminen, mit denen Soldaten bezahlt und Infrastruktur und Luxus in Rom bezahlt werden konnten.

Diejenigen angegriffenen Völker, die dezentral organisiert waren und gleichzeitig Rohstoffe besaßen - wie die Kelten - waren ganz offenbar nicht imstande, untereinander ein machtvolles Bündnis unter einem zentralen Komando zustande zu bringen. In ihrer dezentralen Struktur hatten sie jedoch der großen, modern ausgerüsteten römischen Armee nichts entgegen zu setzen. Sie wurden vernichtend geschlagen. Von rund 10 Mio. Kelten starben rund 1 Mio. Menschen. 1 Mio. wurde versklaft. Ihre Kultur ging beinahe vollständig verloren - sie wurden eine römische Provinz. Eine Ausnahme von der damaligen Regel: Die Germanen wurden unter "Hermann" geeint, stellten eine vereinigte Streitmacht zusammen und vernichteten 10% der römischen Armee. Diese Lektion führte dazu, dass die Germanen später nie (ganz) von Rom erobert wurden. Obwohl die Zeit der Einigkeit unter den Germanen gegen die Römer offenbar nicht sehr lange andauerte.

Nach der Eroberung der wichtigen Rohstoffquellen insbesondere bei den Kelten, den Ägyptern und anderen Völkern wollten die Römer das Reich nur noch bewahren. So bauten sie eine riesige Mauer an den Außengrenzen. Rom am Zenit seiner Herrschaft. Das geraubte Gold - und dessen Nachschub aus den eroberten Minen dank der versklaften Unterworfenen - ermöglichte Rom einen Bauboom im eigenen Land, grandiosen Konsum und phantastische Zerstreuung (Entertainment) durch z. B. große Spiele etc. Wertschöpfung in Rom geschah primär im Dienstleistungssektor, weniger in der Produktion. Letztere war ausgelagert in den unterworfenen Völkern - Billiglohnländern. Im Laufe der Zeit entstand zwischen dem zentralen Rom und seinen eroberten Provinzen ein immer gewaltigeres Handelsbilanzdefizit: Es wurde viel aus den "Billiglohnprovinzen" importiert (dort war die Produktion) und wenig dorthin wieder zurück exportiert. Das ganze System kollabierte bekanntlich schließlich u. a. wegen dieser Ungleichgewichte, die auf Dauer nicht tragfähig waren.

Interessant ist die Beobachtung, dass Rom den Zenit erreichte, nachdem es mit der Eroberung wichtiger Rohstoffe (bzw. der Gebiete, in denen diese produziert wurden) "fertig" war und primär konsumierte und weniger selbst produzierte. Dann gab es eine finale Blütezeit in Saus und Braus hin zum Top. Danach Niedergang - die Ungleichgewichte wurden zu groß, die Widersprüche ließen sich auch mit Gewalt nicht mehr beherrschen.

Der Vergleich zu Heute:

Die arabischen Staaten mit ihrem Wichtigen Rohstoff "Öl" und "Gas" erinnern mich an die damaligen Völker als Nachbarn des römischen Reiches, die es trotz der immer aufdringlicheren Gefahr nicht zuwege brachten, ihre Eigenständigkeit soweit einzuschränken bzw. zu modifizieren, dass sie sich verbündeten, um
- eine machtvolle zentrale Komandostruktur zu schaffen und
- eine gemeinsame, starke Armee.
Die arabischen Staaten schaffen es ja nicht einmal, sich auf den Ölpreis tatsächlich zu einigen. Die Kelten reagierten damals ebenso - und wurden in ihrer Dezentralität besiegt, weil sie vereinzelt den Römern nichts entgegenzusetzen hatten. Die Bereitschaft, die Eigenständigkeit und die Gesamtheit der eigenen Interessen soweit einzuschränken, um ein gemeinsames höheres Ziel zu erreichen, dass sie allein (vereinzelt) nicht erreichen konnten, diese Bereitschaft wurde offenbar nie gezeigt.

Analog schauen die verschiedenen arabischen Staaten heute zu, wenn die USA den Irak angreifen und besiegen, wenn Israel den Libanon angreift und praktisch zerstört, wenn die Palestinenser praktisch auf Dauer in Flüchtlingcamps leben und keine effiziente Führung und verwaltung haben. Dabei könnten sie gemeinsam - mit einem tatsächlich machtvollen, zentralen Kommando in Richtung der USA genau sagen, wo es langgeht. Machen sie aber nicht. Sie hocken auf ihrem jeweils eigenen Territorium, pallavern und hoffen, dass es schon nicht so schlimm kommen wird, dass sie selbst einmal betroffen sein werden. So wie es damals die Kelten offenbar taten - von denen nach der Eroberung durch Rom fast nichts keltisches mehr übrig blieb.

Wenn diese Analogie zutrifft, dann wären wir Entwicklungszyklus der Weltmacht USA beileibe noch nicht am Ende angelangt! Denn zunächst müssen sie wie damals Rom noch Länder mit den wichtigsten Rohstoffquellen - Industriemetalle, Gold, Silber - unter Kontrolle bringen. "Kontrolle" ist hier nicht im römischen Sinne direkt militärisch gemeint, sondern hinsichtlich der Sicherheit, einen billigen Rohstoffpreis und hohe Liefersicherheit zu erlangen. Will sagen: Der Öl- und Gas-relevante Nahe Osten wird noch durch die USA neu strukturiert werden. Erst wenn das dann vollzogen sein wird UND wenn danach noch eine letzte Blütezeit - das Top - in den USA genossen worden sein wird, dann erst wird der Niedergang der USA als Weltmacht beginnen. Bis dahin sind und bleiben die USA wegen ihrer überragenden zentralen Struktur und Armee die dominierende Weltmacht.

Elliottmäßig liegen wir heute demnach wohl in einer Welle 4:
Beginn der 4: Januar 2000.
Ende der 4: Vermutlich 2007 (2008).

Zeitliche Meilensteine innerhalb der verbleibenden Welle 4:
November 2006: Kongresswahlen in den USA. Danach kann und wird Bush "tun, was er tun muss."
November 2008: Präsidentschaftswahlen in den USA. Bis dahin muss das Thema "Iran" für die USA "erledigt" sein.
Dazwischen wird der Angriff der USA auf den Iran vorbereitet, durchgeführt, der Iran in einem recht kurzen aber massiven Massenbombardemant (etwa April - Juni 2007) besiegt, die Börsen erreichen im Sommer 2007 ein wichtiges Tief (die 4), der Sieg wird als "Befreiung" in den USA gefeiert.

Etwa nach dem Sommer 2007 startet die 5 aufwärts. Die USA fühlen sich toll: Terrorismus entscheidend geschwächt, Öl wird billiger, ein Folgekandidat der Republikaner für die Präsidentenwahlen 2008 aufgebaut (natürlich ein Neo-Konservativer), dieser wird auch gewählt werden. Die USA on top of the world. Risse im System sind zwar schon zu sehen, tun aber noch nicht weh. Die 5 ist schließlich da - und damit der Anfang vom Ende. Wie damals beim römischen Reich. Als die Rohstoffe aus den eroberten Provinzen in den eigenen Dominanzbereich eingemeindet und deren Genüsse im Rahmen einer gegantischen konsumorientierten Servicegesellschaft verfrühstückt wurden, nach dieser letzten Party begann erst der lange und schmerzhafte Abstieg. Die Widersprüche wurden zu groß und nicht mehr beherrschar.

Das Jahr 2000 als wichtiges Top war also erst das Ende der 3.
Die 4 läuft noch bis zu dem Augenblick, in dem "die Welt" - stellvertretend die Börsenmärkte - realisiert, dass der Angriff auf den Iran für die USA erfolgreich verlaufen wird, also ohne Flächenbrand im Nahen Osten. In dem Moment endet die 4 als wichtiger Tiefpunkt.

Die letzte Aufwärtswelle - die 5 - folgt ab diesem Zeitpunkt (wohl im Sommer 2007) und wird wohl mindestens ein Jahr dauern - also mindestens bis 2008 - z. B. den Olympischen Spielen in China (in China entwickelt sich bekanntlich ebenfalls eine Blase, deren Platzen mindestens bis zu den Olympischen Spielen unterdrückt werden wird). Das wird dann das finale Top sein.

Während unseres ganzen Lebens werden wir nie wieder so ein Top sehen können! Ab dann gibt es den Niedergang - wie damals in Rom. Bis alles wieder am Anfang ist und etwas ganz anderes nachfolgt - was auch immer das sein mag. Das ist offenbar der natürliche Lauf der Dinge.

Interessanter Link zum Thema: http://www.atlantic-outlook.org/root...s_press_id=695

Geändert von Benjamin (13-08-2006 um 22:40 Uhr)
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